09. 06. 1988
simple man, bild 1-8

kunstradio, orf

Die Linzer Gruppe SWAP bestehend aus Sam Auinger und Werner Pfeffer, aggiert seit 1984 unter diesem Namen. SWAP, das sind die Anfangsbuchstaben der beiden Namen und SWAP ist zugleich das englische Wort für austauschen. Von SWAP ist ein Buch mit Soundtrack herausgegeben worden unter dem Titel „Winterkinderzeit“. Und von SWAP stammte auch das Akustikdisign der oberösterreichischen Landesaustellung „Arbeit-Mensch-Maschine“ 1987 in Steyr. Darüberhinaus haben SWAP für die Ars Electronica 1986 ein Projekt realisiert bei dem das Publikum mit Hilfe eines multimedialen Modulsystems den Ablauf eines Abends mit Musik, Choreographie für Menschen und Roboter, Licht und Computergraphik selbst arangieren konnten. SWAP war zudem 1987 bei dem von dem Fluxus-Künstler Amad Williams organisierten, internationalen, etc. Festival in Warschau vertreten. Und sie haben bei der Ausstellung Sysiphos 87 im Kutscherhaus in Berlin einen Raum akustisch gestaltet und zwar unter dem Titel „Simple Man 1 bis 7“. Den beinahe gleichen Titel tragen auch die für das ORF-Kunstradio produzierten 6 Hörbilder, die in ihrem neuen Studio von SWAP kreiert worden sind. Ihr Studio sehen SWAP wie viele junge Audio-Künstler aller Welt eher als zeitgemäses Künstleratelier. Statt an der Staffelei sitzen sie vor Samplers oder Keyboards ihres Computers. „Wir empfinden das Studio eigentlich vielmehr als ein Atelier, da sich in unserer Arbeit in den letzten Jahren das sogenannte Geräusch immer mehr in den Vordergrund geschoben hat und Geräusche in engem Zusammenhang stehen mit Farben und Farbtönen. Die Art und Weise wie wir Geräusche bearbeiten hat mehr mit Farbmischen zu tun als mit rein musikalischen, kompositorischen Prinzipien. Die Beziehung zur sogenannten Malerei hat sich im Lauf der Zeit ergeben obwohl wir beide keine Maler sind.“ Möglich wurde diese Betrachtungsweise allerdings erst durch die technologische Entwicklung. Bei einer Amerikareise wurden SWAP auf das Spektrum von Einsatzmöglichkeiten des Computers im Audiobereich aufmerksam.
„Man hat bei einem Sampler – z.B. bei einem Sampler der eine Aufnahmezeit von 20 Sekunden hat – die Möglichkeit zwei Klangereignisse die jeweils auch einen wirklichen Raum bedeuten z.B. jeweils 10 Sekunden aufzunehmen und einen Ausschnitt davon von der Maschine wiederholen zulasse. So kann ich z.B. den Ausklang, wenn ein Auto wegfährt, verlängern, und ich kann diesen Ausklang manipuliere in dem Sinn daß ich die Ton- oder Klanghöhe verändere. Der Computer oder der Sampler bietet die Möglichkeit Geräusche in ein harmonisches Zusammenspiel zu bringen und sie in beinahe jeder denkbaren Art und Weise zu manipulieren. Und das ist sicher ein Unterschied zur Tonbandmaschiene von früher.“ SWAP haben 2 Jahre lang in Salzburg ein ernsthaftes Musikstudium betrieben, das ihnen aber eher die Grenzen und Beschränkungen als die Möglichkeiten zeitgenößischer E-Musik klarmachte. Ein Resultat dieses Studiums – SWAP haben eine Band – die Stromband die in ihrer eher der U-Musik zuzuordnenden Musik immer wieder Hörbilder einstreut. Manchmal am Anfang dann wieder Zwischendurch oder am Ende.

Zum Projekt „Hausmusik 88“ das in Berlin realisiert wurde meinen SWAP:

„Unmittelbar vor unserem Wohn- und Arbeitsplatz sind wir bei unseren Spaziergängen seit eineinhalb Jahren mit einem Rohbau konfrontiert der einfach als Skelett in der Landschaft steht und vor sich hinschweigt. Jedesmal wenn wir daran vorbeigehen denken wir uns Geschichten aus. Wer wird darin wohnen? Wie wird das sein? Wir sind unter anderem dadurch draufgekommen, daß alles was in einem Haus passiert im wahrsten Sinne des Wortes wegsperrt ist. Man kennt zwar irgendwelche Häuserfronten oder seine Straße, doch der ganze akustische Bereich der an einem ganz normalen Tag in einem Haus passiert fällt eigentlich unter die Kategorie lästig oder unter die Kategorie Ruhestörung oder Privatssphäre. Uns erschien es interessant solch ein Skelett in einer Berliner Straße offen mit ihren möglichen Klangereignissen für 24 Stunden darzustellen. Es wäre überlegenswert sich die Frage zu stellen, was rein akustisch passiert wenn ein Haus in eine bestimmte Umgebung gebaut wird. Oder man könnte davon ausgehen, daß eine bestimmte Art von Akustik – sei es das Heulen des Windes oder das Rauschen von Bäumen – das Kriterium ist warum ein Haus an einer bestimmten Stelle errichtet wird. Man kann auch weiter gehen und behaupten, daß Hörgewohnheiten in einem direkten Zusammenhang mit Denkstrukturen stehen. Und hörend leben hat auch etwas mit einem Zeitbegriff zu tun, in dem Sinn, daß man wieder ein Gefühl für Zeit bekommt. Mit Hörbildern einen wirklich differenzierten Klangbereich zu suchen, ist eine Möglichkeit so etwas wie Neugier zu wecken.“

„Simple Man 8“ von SWAP und wie das Radio die Hörbilder mitbestimmte. „Das Stück ist auch für das Radio gedacht. Wir haben auch von der Länge der Hörbilder – sie sind absichtlich in einer Zeit von 1 bis 2 Minuten gehalten – her versucht, die Leute auf den Geschmack zu bringen. Wichtig erscheint uns, daß das Hören wieder erlebt werden kann, ohne ein technisches oder kompositorisches Vorwissen zu besitzen. Die menschliche Fähigkeit zu hören und zu empfinden stellt eine Ressource dar, die versickert und die wir wiedererwecken möchten.“ Die Reihenfolge in der die Hörbilder gesendet wurden, haben SWAP dem ORF-Kunstradio überlassen.
(von der kunstradio-webseite)