20. 10. 2007 - 21. 10. 2007
requiem for fossil fuels

judson memorial church / new york (USA)

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Introitus Kyrie
Dies Irae Offertum
Sanctus Benedictus
Agnus Dei Communio

mit Hai-Ting Chinn, – mezzo soprano, Martha Cluver – soprano, John Young – tenor, Joshua South – bass

irgendwann passiert’s: große Dinge gehen zu Ende, und um sie wirklich zu begreifen, muss man das erst einmal einsehen. Jetzt gerade erleben wir das Ende unserer vom Verbrauch fossiler Brennstoffe abhängigen Lebensweise, und wir wollen das besser verstehen, indem wir die Klänge unserer Kultur im Licht der Totenmesse betrachten.(O+A)
 
O+A extrahieren aus den Resonanzen von New York City und Rotterdam die kirchenmusikalische Form des Requiems. Das dies irae zum Beispiel ist aus Aufnahmen des Grand Central Terminals komponiert. 

Die Materialien des Requiems entstammen dem alphabet of sounds von O+A. Diese Sammlung von Schallaufnahmen ist das Ergebnis einer kontinuierlich betriebenen Suche nach einer „Hörperspektive“ auf die Klänge, die wir als Kultur produzieren. In jedem Abschnitt des Requiems wird die Schallaufnahme einer bestimmten Umgebung in ihrem Echtzeitverlauf als cantus firmus verwendet.
Zuweilen kam Rauschunterdrückung zum Einsatz, es wurden jedoch an keiner Stelle Originalklänge transponiert, spektral ausgeglichen oder mit neuen Hüllkurven versehen. Wir präsentieren in hoch organisierter Weise die Musik der vorgefundenen „Stimmen“.

Bereits 2004 präsentierten Odland and Auinger eine frühere Version ihres requiem for fossil fuels bei dem Inventionen Festival. 

Introitus
cantus firmus: langer Zeitfluss, Stereo-Tuning-Tube-Aufnahme im Amsterdam Park, New York City, acht Uhr morgens, Oktober 2003. Dieser ruhige Park an der Nordspitze von Manhattan erlebt die rush hour aus sicherer Entfernung. 
Solisten wie Lastwagenhupen, Wagentüren usw. antworten antiphonal. (Aufgenommen für next big thing im Radiosender wnyc.)

kyrie 
cantus firmus: langer Zeitfluss, Stereo-Tuning-Tube-Aufnahme in der Amsterdam Avenue, Ecke 110th Street, einer Gegend mit kleinen Geschäften und Imbissläden, neun Uhr an einem sonnigen Morgen, Oktober 2003. Diesem Echtzeitverlauf werden Schleifen und Kanons entgegengesetzt, die die Teiltonreihe der Originalklänge verstärken.

dies irae 
cantus firmus: langer Zeitfluss, Stereo-Schallaufnahme 
In der Grand Central Station zur Hauptverkehrszeit. Für den, der genau hinhört, bietet die alltägliche Pendlererfahrung eine furchterregende Hörerfahrung. Dieser Abschnitt enthält das einzige zeitgedehnte Klangmaterial in diesem Requiem – die versagenden Bremsen eines Zuges der städtischen Verkehrsbetriebe wurden endlos gedehnt und drängen gegen einen Damm von akustischen Phänomenen; Schritte von Pendlern, S- und U-bahn, Lüftungen und Ventilatoren, Autos und Busse ergeben ein gewaltiges Divertimento von Kanons, Fugen und Wiederholungen.

Offertorium 
cantus firmus: blue moon, eine Tuning-Installation von O+A im World Financial Center (Sommer 2004). Dieser Ort liegt dem New Yorker Hafen gegenüber; mit seinem riesigen Innenhof aus Glas und Stahl fragmentiert und verstärkt er den Klang vorbeifliegender Hubschrauber und Flugzeuge. Dieses Chaos wird mit drei auf c, g und d gestimmten Röhren transformiert, zusammen mit Wellen-, Wasser- und Luftgeräuschen.

sanctus 
cantus firmus: Aufnahmen vom Hubschrauberlandeplatz in Lower Manhattan

benedictus 
cantus firmus: Schallaufnahmen von Straßenoberflächen in New York City. Wir brachten Mikrofone an Radkästen von Autos an und stellten damit Schallaufnahmen unterschiedlicher Fahroberflächen in New York City her.

agnus dei
cantus firmus: box 30/70, Klanginstallation von O+A, Rotterdam 2001. 
Eine viereinhalb Meter lange gestimmte Röhre transformiert die Klangumgebung der Erasmusbrücke und des Rotterdamer Hafens. Aufnahmen des gleichen Stücks vom Berliner Alexanderplatz antworten kontrapunktisch. Die Stimmung der Röhre harmonisiert die Signalklänge der Stadt zu einem musikalischen Environment.

communio (lux aeterna)
cantus firmus: Schallaufnahmen der Stahlfabrik Voest in Linz, angefertigt für Peter Sellars Inszenierung Die Perser. Flugzeugklänge von einer Turbopropmaschine (flugstunden) werden schließlich von den Klängen der Stahlfabrikation begraben.

http://www.o-a.info/rfff