20. 06. 1995 - 23. 06. 1995
maxres

ars electronica 95 / linz (A)

Idee, Konzept, Komposition: Sam Auinger, Bruce Odland

Digitales Kommunikationslayout: Gerald Schalek, Andreas Feichtner
Max wurde gebaut von: Gerd Thaller 

Es handelt sich hier um eine Installation, die den Linzer Hauptbahnhof über ein harmonisches und melodisches Interface aus Menschen, Maschinen und Informationen mit dem Brucknerhaus verbindet. Die Geräuschkulisse des Bahnhofs wird von einer über Daten- und Computerleitungen verbundenen Fernmeßstation aus in Echtzeit neu gestimmt. MAX RES, eine aus Zement, Kunststoff und Glas bestehende Figur, ist in der Bahnhofshalle aufgestellt und empfängt und überträgt Audio- und Videosignale, wodurch die Atmosphäre durch eine harmonisch variierte Resonanz verändert wird.
IN DER BAHNHOFSHALLE
    •     eine Überwachungskamera beobachtet das Kommen und Gehen in der Abfahrtshalle.

    •     die Mikrophone in den Ohren der Figur übertragen die Geräuschkulisse des Bahnhofs an die Kopfhörer in der Fernmeßstation beim Brucknerhaus.

    •     auf einem Monitor erhält man visuelle Hinweise auf die Quelle der Töne und Geräusche. Es handelt sich hierbei um die Aufnahmen der Videokamera im Stimmtrichter am Bahnsteig, wo die Tonkulisse eingefangen wird.

    •     über den Würfellautsprecher aus Zement wird die gestimmte Resonanz in Echtzeit abgespielt.

AUF DEM BAHNSTEIG
All die Geräusche und Töne von Zügen, Menschen, Lautsprecherdurchsagen, automatischen Türen und Gepäckwagen werden mittels des Trichters auf eine Obertonreihe reduziert. Das Mikrophon im Trichter fängt all dies als einen sich verschiebenden Akkord auf der Grundlage der Länge des Grundtons des Trichters und seiner Teiltöne auf. Diese Töne werden an einen Computer im Kontrollraum übermittelt, wo sie digital gefiltert und sofort über den Zementwürfel-Lautsprecher von MAX RES abgespielt werden. Das Ergebnis ist eine rhythmische, harmonische und melodische Wiedergabe des Zusammentreffens von Menschen und eisenzeitmäßigen Fortbewegungsmitteln. Der Zweck der Videokamera ist es, visuelle Bezugspunkte zu liefern, um so den genauen Ursprung der Töne bestimmen zu können.
IN DER FERNMESSTATION
Hier gibt es einen Zugfahrplan, der als Rhythmusdiagramm der Töne, die man im Kopfhörer hören kann, dient. Die Züge stellen die grundlegende Tonstruktur dar und generieren eine Reihe von anderen, von ihrem Takt abhängige, Töne: Fußschritte, Stimmen, Gepäckwagen, Zischen der Züge, Durchsagen, Türen und vieles andere mehr. Es gibt auch eine Uhr, die dazu dient, den Takt zu halten.

Die Kopfhörer: Wenn man sie sich aufsetzt, kann man die Welt durch die Ohren (die beiden Mikrophone) von MAX RES erfahren. Man hört nicht nur die vom Würfellautsprecher kommende gestimmte Resonanz, sondern auch die Klangwirkung der Bahnhofshalle und ihre Tonkulisse.

Die Monitoren: Einer der Monitoren zeigt dasselbe Bild wie der in der Brust von MAX RES, die Tonquellen werden mittels des Stimmtrichters auf dem Bahnsteig aufgezeichnet. Der andere Monitor bietet ein mit der Überwachungskamera aufgezeichnetes Bild von MAX RES. Man kann dabei den Menschenstrom beobachten, während man das Ambiente der Halle modifiziert.

Hier befindet sich auch ein Computer, der mit den Computerfiltern im Bahnhof verbunden ist. Wenn man sich für eine Modifikation entschieden hat, wird diese mit einem Modem an einen zweiten Computer übertragen. Der angewählte Filter verändert dann die an den Würfellautsprecher von MAX RES geschickten Resonanzen.
(aus dem ars electronica katalog 95)