08. 08. 2004 - 12. 09. 2004
heute mittag sitzt er nicht im beijing

palast der republik / berlin (D)

Hörraum mit Filmspuren 
nach dem Roman DER COUP DER BERDACHE von Michael Roes 

Spieler > Rickie Eden, Kurin Hecht und Falilou Seck; Film-Spieler > Antonia Baehr, Frank Büttner, Holger Friedrich, Jo Kappl, Josef Ostendorf, Katka Schroth, Michaela Steiger, Takako Suzuki, Andrzej Wirth, u.a.; Sound-Live-Feed  >  Sam Auinger; Kostüme  >  Ellen Hofmann; Kamera  > Gusztáv Hámos; Film-Sound  > Peter Göhler; Künstlerische Mitarbeit  >  Hannah Groninger; Technische Leitung  > Peter Buchheit; Produktionsleitung  >  Eva Hartmann; Dramaturgische Beratung  >  Detlev Schneider;  Szenario/Raum/Inszenierung  > Penelope Wehrli

Ein FBI-Agent wurde im Club The Meat skalpiert. 
Thor Voelcker, schwuler schwarzer Polizeipsychologe, soll das Täterprofil erstellen. Seine Informanten: Elektra, weiße Drag Queen, glücklich verheirateter arbeitsloser Altphilologe, und Joan Bayou,  indianische College-Dozentin, eine Berdache, – Frau im Körper eines Mannes. Drei Figuren, deren geschlechtliche und kulturelle Identitäten Zuordnungen verweigern. 

Drei parallel ablaufenden Erzählperspektiven spielen in der fiktiven Stadt New Leyden. Als drei eigenständige Filmstränge sind sie in der Installation verteilt auf fünf Bildebenen zu sehen. Die Projektionsflächen sind transparent. Man kann durch Bilder hindurch auf andere Bilder sehen und durch die Bilder in den leergeräumten Palast. Durch dessen trübe Scheibenfluchten mischt sich die reale Stadt draussen als weitere Bildschicht in den Film. Ein Sound-Live-Feed bringt den Stadtraum Berlins akustisch verdichtet in die Installation.
In zwei grossen begehbaren Zylindern dreht sich je ein Projektor langsam um die eigene Achse und lässt die Filmbilder schweifen. Drei weitere Projektoren sind auf geschlossene Kuben gerichtet, in denen die Spieler sitzen und hinter der Leinwand 
live in ihren Film sprechen. Zwischen Kubus und Projektor steht jeweils eine Wand, 
die sich auch wieder um die eigene Achse dreht und das projizierte Bild kontinuierlich von der Projektionsfläche wischt. 
Die drei Filme sind jeweils als point-of-view ihrer Hauptfiguren gedreht. Bei Dialogen 
sieht man jeden der Sprechenden auf einer anderen Leinwand, die Zuschauer 
dazwischen, in ihrer Aufmerksamkeit geteilt. Das Gesprochene ist über Kopfhörer 
auf drei Kanälen unabhängig voneinander zu hören. 
Es ist offensichtlich nicht möglich, allen drei Strängen zu folgen, und es ist nicht immer 
möglich, Bild und Text zu synchronisieren. Der Betrachter bewegt sich durch diesen 
Klang- und Bildraum: Aus jeder möglichen Perspektive ergeben sich neue Konstellationen 
und Verbindungen zwischen den Filmen. 
Aus der Spannung zwischen dem Gesehenen und dem Nicht-Gesehenen, zwischen dem Realen und dem Imaginierten schneidet der Betrachter in dieser flüchtigen Zeitskulptur im 
Kopf seinen eigenen Film.

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