26. 06. 2003 - 15. 10. 2003
farben innsbruck

kunstpavillion / innsbruck (A)

Im Sommer 2003 bekamen wir die Möglichkeit, den kleinen Hofgarten in Innsbruck für 2 Monate zu bespielen. Aus dieser Arbeit entwickelte sich für uns eine neue Kompositionsform/-methode, die wir Farben nennen. 

Farben ist ein Soundinstallation im öffentlichen Raum. 
Sie schafft einen poetischen Klangraum, der mit dem Raum-Zeitempfinden der Besucher spielt. Der Raum beschleuingt und verlangsamt, erhellt und verdunkelt sich.

Ausgangspunkt ist der öffentliche Raum mit seinen Klängen und Geräuschen in seiner architektonischen, sozialen, funktionalen und rhythmischen Struktur. Aus diesen Farben (Charakteristika) entwickelt sich die musikalische Sprache der Komposition,  das Klangmaterial und die Kompositionsstrategie, die immer wieder aufs neue mit den akustischen Ereignissen vor Ort in Dialog treten. Teile des Klangmaterials werden vor Ort eingespielt, Vorproduziertes am Ort gestimmt und die Komposition im konkreten Raum erstellt.
„Das Soundenvironment wird zum Instrument,  das Instrument zum Soundenvironment“  (tamtam)

Aufbau der Soundinstallation Farben in Innsbruck

Im Außenraum des Kunstpavillons in Innsbruck wurden fünf Lautsprecher verwendet, die sich in drei Qualitäten unterscheiden lassen: 
A zwei Breitbandlautsprecher angebracht an der Eingangswand des Pavillons, 
B zwei Phillipshörner installiert in den Bäumen vor dem Kunstpavillon, 
C ein Cube (Betonwürfellautsprecher). 
A + B sind Eckpunkte eines Vierecks in dessen gedachten Mittelpunkt C installiert ist. 
A, B + C unterscheiden sich extrem in ihrem Klang- und Abstrahlungsverhalten. 
A repräsentiert unseren gewohnten, „neutralen“ Lautsprecherklang. 
B sind Hörner, die den Klang färben und verändern. 
C ist ein Betonwürfellautsprecher mit neutralem Klang, dessen Besonderheit in seiner Erscheinung und Abstrahlverhalten liegt; sein Klang hat keine Richtung.
Dieser Lautsprecher wurde von Bruce Odland/Sam Auinger 1990 für Installationen im öffentlichem Raum entwickelt. Bespielt werden die fünf Lautsprecher von einem Sampler, der die Komposition (Midifile) und das Klangmaterial (Samples) verwaltet. Gesteuert wird dieser von einem Logicboard, das seine Impulse von zwei Bewegungsmeldern, installiert bei A, erhält. Die maximale Dauer eines möglichen Durchlaufs von „Farben“ ist 60 Minuten.

Die Installation ist so aufgebaut, dass sie sich unauffällig in das Erscheinungsbild des Kleinen Hofgarten einfügt. 

Material und Komposition: Sam Auinger, Hannes Strobl
Installationsaufbau: Gerd Thaller
Installationselektronik: Gerald Schalek
www.netzradio.de/tamtam

Die Installation Farben ist ein subtiles Wechselspiel mit den Erscheinungen der uns umgebenen Welt auf der Ebene sinnlicher Erfahrung. Ihr Ausgangspunkt ist der öffentliche Raum mit seinen Klängen und Geräuschen, in seiner architektonischen, sozialen, funktionalen und rhythmischen Struktur. Dieses sind die „Farben“ bzw. Charakteristika aus denen Sam Auinger und Hannes Strobl die Sprache ihrer Komposition für den konkreten Raum entwickeln. Die akustischen Ereignisse der Umgebung und vor Ort eingespielte musikalische Sequenzen dienen als Klangmaterial. Sie bestimmen den zeitlichen Verlauf und die räumliche Gestalt der Komposition. Die Strategie der Installation ist es, einen stetigen Dialog zwischen Realität und Imagination zu führen und eine offene Interaktion zwischen der „äußeren“ Welt und der Welt „innerer“ Vorstellungen und Empfindungen zu ermöglichen. Das klangliche Geschehen der Umwelt, das an jedem Ort ganz bestimmte Merkmale und Eigenschaften hat – es ist laut oder leise, hell oder dunkel, impulsiv oder verrauscht, klar oder diffus … –, wird in der Konzeption der Installation Farben zu einem Instrument.  Der direkte Kontakt, das Einfangen seiner Stimmungen und Eigenheiten sowie eine genaue Analyse offenbaren dessen Spielarten. Das Pulsieren der Stadt, der „Atem“ des Ortes wird in der Installation in einen poetischen und musikalischen Raum überführt, der die sinnliche Wahrnehmung in den Vordergrund rückt. Der hier entstandene „ästhetische“ Raum, „intoniert“ von Intuition, Emotion und dem leiblichen Befinden, wird selbstverständlicher Teil der Klangumgebung. „Das Soundenvironment wird zum Instrument, das Instrument zum Soundenvironment“, so tamtam. Die großen, scheinbar unvereinbaren Gegensätze der städtischen Metropole – hier, das Nebeneinander des stetigen Lärms vorüberfahrender Autos, des Rauschen der hoch frequentierten Hauptverkehrsstraße am Alexanderplatz und der Ruine der Franziskaner Klosterkirche, einem Raum der Kontemplation und des Gedenkens – werden dabei so miteinander verknüpft, dass sie in einer das individuelle Subjekt betreffenden Weise erfahrbar werden und dem Gefühl von Identität nicht im Wege stehen. Der Ort selbst wird mit dem „Sich-Befinden“ in Beziehung gesetzt. Die Stadt, ihre Geschichte, ihre architektonische Entwicklung, ihre gesellschaftliche Funktion und ihre resultierenden „Verlautbarungen“ werden als ein Teil unserer selbst thematisiert. Die „Farben“ unserer Umwelt sind nicht nur abstrakte Zeichen und Signale, die der Orientierung dienen, sie sind kein System dem wir uns bewusstlos fügen mögen. Farben, wie die Installation von Sam Auiger und Hannes Strobl, haben ein breites Spektrum und sind an ein komplexes Wechselspiel der Wahrnehmung gebunden, an das Licht, was sie erscheinen und verschwinden lässt. 
(Melanie Uerlings)

http://www.netzradio.de/tamtam/farben_03.html