14. 10. 2005 - 18. 01. 2006
denken wie der wald rauscht

stifter jahr 2005
 
o.k centrum für gegenwartskunst / linz (A)

Installation in drei Teilen – der Versuch der Lektüre von Landschaft

»Ich las Stifter fast nur im Freien. An den Ufern der wild mäandernden Wondreb, auf Erlenstrünken über Wasserpflanzen, gleich Frauenhaar gestrählt von der Strömung. Ich saß auf Kanzeln, ich las auf Hochständen. Ich las Stifters schwarze Buchstaben auf inzwischen vergilbtem Papierweiß der Tempel-Klassiker im Schatten der Kiefernwipfel, der Birken- und Erlenkronen, ich las im Gras, dessen Grün interpunktiert wurde vom Gelb des Löwenzahns. In jenem Frühling voller Gewitterlicht über Brombeerblüten.« (Werner Fritsch)

Eine Gemeinschaftsarbeit von Sam Auinger mit dem Schriftsteller und Experimentalfilmer Werner Fritsch.

“Denken wie der Wald rauscht” übertitelt Werner Fritsch einen Text zu Adalbert Stifter, in dem er den gemeinsamen Kindheits- und Erlebnisraum Böhmerwald vergegenwärtigt:…die heimatliche Nähe: Adalbert Stifter. Alleindas Wort Adalbert rief  (und ruft) in mir das Bild sanft im Wind wogender Wipfel hervor.”

Stifters Naturbeschreibungen des Böhmerwaldes sind auch die Inspirationsquelle für die Installation: Denken wie der Wald rauscht ist ein Netz aus Worten, Bildern und Tönen, das die drei Ausstellungsräume zu einem Triptychon verbindet.
Im ersten Raum herrscht eine langsame, aber stetige Bewegung: Winter- und Eisaufnahmen aus dem Böhmerwald in verschiedener Weißtönung werden durch ‘bunte’ Einschübe, einen Glockenton und abgestufte Akkorde strukturiert und wie eine Kette aneinandergereit.
Im dunklen dritten Raum,  dem Gegenpol zum Raum I, dominiert der Fluss, das Kontinuum: Kreisende Flugaufnahmen der “mäandernden Wondreb” verweben sich auf vier Projektionsflächen zu einem netzartigen, ewig wiederkehrenden Muster, das durch einen tiefen, modulierten Grundton energetisch aufgeladen wird.
Im mittleren Raum jedoch sitzt, wie die Spinne im Zentrum ihres Netzes aus Bildern und Tönen,  der Sinn, die Sprache: Werner Fritsch liest nicht nur über Adalbert Stifter, sondern auch aus seinem Buch “Stechapfel”, das ‘ohne Stifter kaum zu denken ist’.

 
in zusammenarbeit mit: werner fritsch